HANNS. A pioneers magazine_1/2026

Erfolg beginnt im Kopf, aber ohne harte Arbeit geht es nicht“

Jutta Michel

Das Werk Oberstenfeld der Division Automotive zeigt auf eindrückliche Weise, was in einem schwierigen Marktumfeld wirklich zählt: Menschen, die Verantwortung übernehmen, Herausforderungen fokussiert und mit Ruhe meistern und sich nicht auf Erfolgen ausruhen. Wir haben die Werksleiterin Jutta Michel zum Interview getroffen.

Jutta Michel hat an der Universität Stuttgart Maschinenbau studiert und als Diplom-Ingenieurin abgeschlossen. 1995 startete sie bei GETRAG, und arbeitet seit 2007 durch den Unternehmenszukauf bei HOERBIGER. Ihren Berufseinstieg hatte sie in der zentralen Qualitätssicherung. 2010 wechselte sie als Werksleiterin nach Schongau, seit 2022 ist sie Geschäftsführerin der HOERBIGER Synchrontechnik GmbH in Oberstenfeld. In ihrer Freizeit baut sie Obst und Gemüse an und reist gern – mit besonderer Vorliebe für Natur und Kultur(en) – heute vor allem in arktische Regionen wie Kanada, Grönland und Spitzbergen.

 

Welche Produkte werden im Werk Oberstenfeld hauptsächlich hergestellt?

Jutta Michel — Wir stellen Synchronisierungsbauteile für Schalt- und Doppelkupplungsgetriebe her – sogenannte Schaltmuffen und Kupplungskörper. Die Synchronisierung gilt als das Herz des Getriebes.

Das Werk Oberstenfeld ist aktuell sehr erfolgreich. Was sind aus deiner Sicht die entscheidenden Erfolgsfaktoren?

JM — Wir haben starke Grundlagen: gute Technologien und gut qualifizierte Menschen. Entscheidend ist aber, dass wir uns auf das Wesentliche konzentrieren. Sich zu vieles auf die Agenda zu schreiben und sich damit zu verzetteln ist meist kontraproduktiv. Unser Fokus liegt darauf, ausreichende Stückzahlen zu produzieren, dies effizient und produktiv zu tun und stets höchste Qualität zu liefern. Keine ineffizienten Prozesse, kein langes Aufhalten bei Dingen, die man eh nicht ändern kann. Hohe Stückzahlen bei sehr hoher Qualität – das ist die Herausforderung.

Von welchen Stückzahlen sprechen wir pro Jahr?

JM — Wir haben letztes Jahr fast 11 Millionen Schaltmuffen und fast 14 Millionen Kupplungskörper hergestellt. Das ist tatsächlich ein Rekord, auf den wir sehr stolz sind.


Du hast einmal gesagt, ein wichtiger Faktor sei es, „stur zu bleiben“. Was meinst du damit konkret?

JM —  „Stur“ klingt negativ – ich meine Beharrlichkeit. Das Ziel nicht aus den Augen verlieren. Sich nicht entmutigen lassen und konsequent auf einem Weg bleiben, wenn man überzeugt ist, dass er richtig ist. Auch wenn es jeden Tag viele Herausforderungen zu meistern gilt.

Was sind das für Herausforderungen?

JM — In einem Werk passiert jede Stunde etwas Ungeplantes. Es sind vor allem viele kleine Prozessabweichungen: Maschinenstillstände, Reparaturen, knappe Bestände. Wichtig ist, ruhig zu bleiben, Prioritäten zu setzen und Probleme schnell zu lösen – idealerweise durch die Mitarbeitenden selbst.

Das unternehmerische Denken im Unternehmen wird von dir sehr stark gefördert. Weshalb?

JM — Weil Reibungsverluste verschwinden, wenn alle das große Ganze sehen und entsprechend handeln. Abteilungsübergreifende Unterstützung, Entscheidungen im Sinne des Gesamtunternehmens und Eigenverantwortung machen uns deutlich schneller und leistungsfähiger.

Du bezeichnest deine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerne als „A-Team“. Was macht dieses A-Team aus?

JM — Selbstständigkeit, unternehmerisches Denken, Respekt und Hilfsbereitschaft. Und ganz wichtig: Konflikte werden offen angesprochen, nicht unter den Teppich gekehrt. Wir sollen uns auch streiten — konstruktiv und immer im Sinne der Sache. Es geht nicht darum, jemanden zu verletzen, sondern Probleme zu lösen und besser zu werden. Besonders freue ich mich über den ständigen Willen, besser zu werden. Auch nach einem Rekordjahr.

Jutta Michel


In der IT gilt die Grundregel: „Never touch a running system“. Für euch in dem Fall nicht, oder?

JM — Doch, schon auch, denn man soll bei dem bleiben, was gut funktioniert. Aber wir ruhen uns nicht auf unseren Lorbeeren aus. Man kann Systeme oft noch schneller oder reibungsloser machen. Gerade die Automobilindustrie lebt davon, dass man ständig optimiert.

Wie passt aus deiner Sicht unternehmerisches Denken zu einem Konzern wie HOERBIGER?

JM — Bei HOERBIGER geht das gut, weil HOERBIGER kein Konzern im klassischen Sinne ist. Konzerne segmentieren Arbeit und Verantwortung oft sehr stark, Entscheidungen dauern ewig. Bei HOERBIGER haben wir Autonomie, Eigenverantwortung, große Freiheiten. Niemand schreibt mir vor, wie ich etwas machen muss. Es gibt wenig Bürokratie und viel Vertrauen. Das ist aus meiner Sicht eine großartige Basis für den langfristigen Erfolg.

Das heisst, ihr werdet weiter an eurem Erfolg arbeiten?

JM — Ja, denn nichts beflügelt mehr als Erfolg. Erfolg hat einen unmittelbaren Einfluss auf das, was sich Menschen zutrauen. Mitarbeitende, die Erfolg erleben, gewinnen Momentum, entwickeln mehr Ideen, gehen mutiger nach vorne – und entsprechend werden auch die Ergebnisse besser. Wenn es gut läuft, entsteht eine Aufwärtsspirale, die sich selbst verstärkt.

Das funktioniert aber leider auch in der anderen Richtung …

JM — Klar, das haben wir in Oberstenfeld ja auch schon erlebt. Im umgekehrten Fall entsteht eine Abwärtsspirale. Dann läuft es wie im Fußball: Wenn eine Mannschaft im Tabellenkeller steckt, sinkt die Motivation, man kritisiert das Umfeld, die Mitspieler und den Trainer, und es wird immer schwerer, aus diesem Keller wieder herauszukommen.

Wie kommt man denn aus so einer Spirale wieder heraus?

JM — Misserfolge lassen sich nicht einfach beiseiteschieben. Man muss sie analysieren, bis die Ursachen klar sind, darf sich aber nicht darin verlieren. Man braucht ein genau definiertes Ziel, einen klaren Plan, kleine Schritte, Beharrlichkeit und Zuversicht.

In deinem Büro hängt ein Bild mit der Aussage „Erfolg beginnt im Kopf“. Ist das dein Erfolgsrezept?

JM — Ja, aber das ist nur die halbe Wahrheit, denn es fehlt ein entscheidender Zusatz: Erfolg beginnt im Kopf, aber ohne harte Arbeit geht es nicht. Es braucht die richtige Mischung aus Mindset, Disziplin und Leistungsbereitschaft. Und diese Mischung, die stimmt in Oberstenfeld auf jeden Fall.

Jutta Michel
Im Werk Oberstenfeld, Deutschland, der Division Automotive von HOERBIGER, arbeiten rund 350 Mitarbeitende auf einer Werksfläche von über 35.000 Quadratmetern an performance-bestimmenden Komponenten für die Automobilproduktion.
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